Mädchencafé statt Rolls Royce Museum - warum eigentlich?

Gleich vorneweg: Es geht nicht um entweder oder. Das Rolls Royce Museum in Dornbirn zieht Besucher an und ist das Ergebnis eines privaten Engagements. Nicht notwendig ist jedoch die hohe Förderung von Stadt und Land für das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist: 130.000 Euro, je zur Hälfte von Stadt und Land aufgebracht, werden als Miete vom Rolls Royce Museum direkt an die Eigentümerfamilie weiter gereicht. Unwahrscheinlich, dass eine derartig hohe Miete an diesem Standort am Markt zu erzielen wäre.

© Friedrich Böhringer (CC BY-SA 2.5)

Über zehn Jahre (2005 bis 2014) flossen die öffentlichen Mittel (bis 2013 nur von der Stadt) für die denkmalschutzgerechte Sanierung des Gebäudes, die mittlerweile abgeschlossen ist. Danach hätte der Vertrag schlicht und einfach aufgelöst werden müssen. Doch die ÖVP nutzte ihre absolute Mehrheit dazu, die Verlängerung der Förderung zu beschließen, ohne auch nur darüber zu verhandeln oder Fragen zu stellen wie

  • wie hoch wäre eine marktgerechte Miete?
  • welchen Anteil kann das Museum selbst erwirtschaften?
  • kommen andere Standorte in Frage?

In den nächsten Monaten werden diese Fragen auf Druck der Grünen jedenfalls gestellt werden. Ich gehe auch davon aus, dass SPÖ und FPÖ dieses Anliegen unterstützen werden, auch wenn sie sich dem Abänderungsantrag der Grünen zum Budget mit einer Reduktion dieser Förderung nicht anschließen wollten. Auch die Neos werden dem etwas abgewinnen können.

Deshalb bin ich zuversichtlich, dass das Budget 2016 das letzte war, das die ungerechtfertigt hohe Förderung für das Rolls Royce Museum enthält.

Warum ein Mädchencafé?

Die Idee ist nicht neu, im Jahr 2016 aber von aktueller Bedeutung für unsere Stadt. Es geht darum, für eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen einen Ort zu schaffen, der einen notwendigen, abschließenden Integrationsschritt ermöglicht. Es ist schon viel dazu geschrieben worden, unter anderem von Julia Zehentner eine Diplomarbeit an der FH Vorarlberg im Fachbereich Sozialarbeit mit dem Titel "Interkulturelles Mädchencafé in Dornbirn?" im Jahr 2009.

Das Ziel eines solchen Mädchencafés ist es, türkischstämmigen Mädchen, die wenige oder gar keine Kontakte zu Menschen außerhalb ihrer Familie und der Schule haben (dürfen), einen geschützten Raum zu geben (ohne Jungs, sonst dürfen sie nicht hingehen), wo sie eine eigene Perspektive für ihr künftiges Leben entwickeln können. Ihre Familien gehen davon aus, dass sie heiraten werden und deshalb keinerlei berufliche Ausbildung benötigen. Wir Grüne halten es für notwendig, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft selbständig leben und sich selbst erhalten können sollen. Dafür brauchen wir alle einen Beruf, unabhängig von einer möglichen Familiengründung.

© Amazone

Ein Mädchencafé ebnet Wege zu verschiedenen Berufen und ermöglicht es den Mädchen, z.B. auch im Rahmen des Job-Ahoi-Projekts der OJAD, einmal selbst Geld zu verdienen und zu spüren, was es heißt, über selbst verdientes Geld verfügen zu können.

Dafür braucht es Vorbilder ("Rolemodels") und Erfahrungsaustausch, Selbstbewusstsein und Entfaltungsmöglichkeiten. Für viele Mädchen, die nur noch einen letzten Anschub benötigen, um ein selbstgestaltetes und unabhängiges Leben führen zu können, kann ein Mädchencafé solches leisten. Diejenigen, die es schaffen, können selbst zu Rolemodels werden für viele Nachkommende (auch Flüchtlinge), denen die Selbständigkeit auch nicht in die Wiege gelegt wurde.

Der Betrieb kostet rund 80.000 Euro im Jahr für die solzialarbeiterische Betreuung und bescheidene Projektgelder, dazu kommt eine geringfügige Miete. Selbst wenn es nur wenige wären, die durch ein Mädchencafé den Weg in ein eigenständiges Leben finden, ist das für die Mädchen selbst, aber auch für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die sozialen Sicherungssysteme ein großer Gewinn.

Weitere Infos: Amazone, Mädchencafé Lustenau

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