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Grundeinkommen

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Thesenpapier für den Workshop "Produktivität und Postproduktivität" beim Kongress "Grundeinkommen" im Oktober 2005 in Wien

Kunst und Kultur in Verbindung mit Begriffen der Produktivität, Postproduktivität und Arbeit

Kunst Begriffe, mit denen Kunst in Zusammenhang steht: Ästhetik (Wahrnehmung), empathisches Wissen, Emotion, Magie „Das Kunstwerk selbst ist ein lebenssprühendes, magisches und exemplarisches Objekt, das uns der Welt offener und reicher zurückgibt.“ (Susan Sonntag) Kunst und Arbeit: Dass Künstlerinnen und Künstler seit jeher ein kleines Stück außerhalb der Gesellschaft stehen, ist für die Vergangenheit wie für die Gegenwart belegbar. Dieses Außenseitertum reicht allerdings von einem speziell privilegierten Status bis hin zu einem regelrechten ausgestoßen Sein. Stets hat sich dieser Status auch am Arbeits- und Erwerbsbegriff der jeweiligen Gesellschaften festgemacht. Plato schätzte die Subsistenz- und die Reproduktionsarbeit gering, das war für ihn Sklaven-, Handwerker- und Händlerarbeit – alle drei des Bürgers nicht würdig, der sich edleren und wichtigeren Dingen widmete: der Politik, der Entwicklung des Gemeinwesens, aber auch der Kunst, die untrennbarer Teil des Gemeinwesens war. Kunst bedeutete nicht Erwerbsarbeit wie jene von Bauern oder Händlern (sie brachte ja auch nichts ein), sie war Dienst an der Gemeinschaft der Bürger. Im Hochmittelalter war Kunst in erster Linie Ausdruck der theologischen Lehre und der Spiritualität. Bilder (Ikonen) wurden verehrt weil sie, nach der Lehre der Kirche, wie ein Fenster zum Himmel einen Blick ins Jenseits zulassen. Als Transportmittel der christlichen Lehre hat die Kunst auch im zentral- und west-europäischen Mittelalter eine Sonderstellung, die vor allem in der Baukunst und in der bildenden Kunst zum Ausdruck kommt. Sie war unverzichtbar als Medium der christlichen Ideologie, die ihrerseits als Kitt der mittelalterlichen Gesellschaft fungierte. Dementsprechend lebten Künstler/innen nicht von ihrer Kunst als Erwerb sondern sie wurden von Gemeinden / von Klöstern / Feudalherren erhalten. Im Barock wurde Kunst in erster Linie zu Repräsentationszwecken der weltlichen Macht eingesetzt. Auch da waren Künstler/innen mehr Medium, denn Arbeiter/innen. Für ihren physischen Unterhalt waren die Fürsten zuständig, die Repräsentanten des Staates und ersten Nutznießer der künstlerischen Arbeit. Ab der Renaissance erfolgen regelmäßige Rückbesinnungen auf Kunststile und Arbeitsweisen früherer Epochen, auf den Menschen selbst, seine Geschichte und Spiritualität. Erst mit der Entstehung einer Bürgergesellschaft im 19. Jahrhundert wandelte sich auch die Künstler/in äußerlich zur Bürger/in, die - wie jeder andere – Werke herstellte um des Erwerbs willen. Die Repräsentationszwecke, denen sie dienten waren bescheidener, der Kreis der Nutzer/innen größer. Nur wurde (und wird nach wie vor) ihre Arbeit von vielen nicht als Arbeit im eigentlichen Sinn angesehen, weil sie (fälschlicherweise!) nicht mit dem Schweiß, dem Fleiß in Verbindung gebracht wird sondern mit der Liederlichkeit und der mühelosen Nutzung von Talent oder gar Genie. Der Genius (Schutzgeist) arbeitet nicht, wie kein körperloses Wesen arbeiten kann. Im 20. Jahrhundert wird – nicht zuletzt durch die Entwicklung des Urheberrechts (erstes österreichisches Gesetz 1897) – die Verwertung künstlerischer Arbeit zum Geschäft und die Kunst somit als Erwerbszweig durchaus populär. Ihr Erscheinungsbild und ihre Zwecke sind breit geworden: sie dient nach wie vor der Repräsentation, neuerdings der Propaganda (eine schlichte Weiterentwicklung), der Unterhaltung (und damit dem Geschäft), der Bildung (seit der Weimarer Klassik) und immer noch der Spiritualität und Kontemplation: Und nach wie vor: „Kunst [...] ist ein Alibi für die bürgerliche Unmoral“ (Frank Wedekind), anders ausgedrückt: "Kunst ist für den Staat, was der Körper für die Kirche ist." (frei nach Bert Gstettner). Doch das gilt nicht mehr für den Staat des 21. Jahrhunderts. Sind der Künstler, die Künstlerin mittlerweile Arbeiter/innen? Das Urheberrecht gibt ihnen seit ungefähr 120 Jahren Einkünfte aus ihrer Arbeit, die in geistigem Eigentum mündet. Als Erwerbstätige in die Pflichtversicherung einbezogen wurde ein Teil der Künstler/innen (bildende Künstler/innen) schon 1958 – durch die erste Novelle des 1956 in Kraft getretenen ASVG. Bald darauf bezog man – zu viel schlechteren Bedingungen – auch die Musiker/innen in die Pflichtversicherung ein. Doch die allgemeine Versicherungspflicht für Künstler/innen kommt erst im 21. Jahrhundert: mit 1.1.2001. 2003 kam der erste „Österreichische Kreativwirtschaftsbericht“, mit dem künstlerische Arbeit endgültig einen auch wirtschaftlich geachteten Stellenwert bekommt.

Kultur Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge, wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).

"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen." (William James Durant, *1885 USA, Durant hatte franko-kanadische Eltern. Er kämpfte für gleiche Löhne, das Stimmrecht für Frauen und gerechtere Arbeitsbedingungen für die amerikanischen Arbeitnehmer. Er schrieb effektvoll über diese Themen und seine Ideen und versuchte, die Philosophie dem einfachen Menschen näher zu bringen.)

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Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden. Kulturarbeit Interessenvertretung für Künstler/innen und Kulturschaffende, das bedeutet immer: Mitsprache, Partizipation ermöglichen, Empowerment. Im engeren Sinn: veranstalten (Künstler/innen Auftritte organisieren, der Wohnbevölkerung zur eigener kultureller Artikulation verhelfen, (auch passive) Teilhabe am Kulturleben ermöglichen. Prinzipien: Autonomie, keine Bindung an Parteien, Religionsgemeinschaften, Gebietskörperschaften, Diversität, politischer Antirassismus, Netzwerkarbeit, Internationalismus.

Beispiele: Arbeit / Produktivität / Postproduktivität - Kunsthändler/in < - > Künstler/in: Schafft Wert < - > schafft Werk (zunächst wertlos)

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  • Urheberrechtliche Schutzfristen, Franz Lehar – Komponist und Verleger

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Künstlerische Produktivität steht in Konkurrenz zur Produktion von Kopien von Kunstwerken

Grundeinkommen für Künstler/innen? Was sagen sie selbst? Befürwortung! (Siehe z.B. Mitteilungen der IG Freie Theaterarbeit März 2002) Idealtypisch gedacht führt Grundeinkommen nicht zum Absinken der künstlerischen Arbeit bzw. Produktivität, eventuell sogar zum Ansteigen.

Created by juliane
Last modified 2005-12-20 10:57