Vision Rheintal
Vom möglichen Nutzen der Planung für die Arbeit am „inneren Kitt“ unserer Gesellschaft
Zusammenfassende Betrachtung des Fachteams „Soziokulturelle Entwicklung“: Stefan Allgäuer, Juliane Alton, Markus Berchtold, Hans Fink, Eva Grabherr, Markus Koch, Josef Metzler
1. Ausgangsfragen, Vision und soziokulturelle Begründung des Handlungsvorschlags
… aber es gibt einen Grad, Historie zu treiben, und eine Schätzung derselben,
bei der das Leben verkümmert und entartet …
(Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, 1874)
Es mag fürs erste befremdlich klingen, wenn das Fachteam Soziokulturelle Entwicklung die Resultate seines Nachdenkens über die Zukunft des Vorarlberger Rheintals mit einem Zitat von Friedrich Nietzsche einleitet. Ausgangspunkt dafür war zunächst nur der Titel, den wir für unseren Beitrag gewählt hatten. Der Gleichklang mit der berühmten Schrift des Philosophen – „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ – war nicht zu überhören. Und obwohl das großzügige Zitieren kulturgeschichtlicher Größen seit der Postmoderne weitestgehend akzeptiert ist, wollten wir dies nicht tun, ohne noch einmal beim Philosophen persönlich nachgeschlagen zu haben.
Nicht, dass wir in unserer Arbeit den Beweis für die Gegenwartstauglichkeit von Nietzsches Ideen und Analysen führen möchten. Das tut seit Jahrzehnten die jeweilige Philosophengeneration. Wir haben uns lediglich die Freiheit genommen, uns von dieser Schrift anregen zu lassen. Nietzsche beschäftigte sich darin kritisch mit dem Historismus als der kulturellen Leitidee seiner Zeit. Wir haben den Ökonomismus als Leitidee unserer Zeit identifiziert und auch den hohen Wert, der dem gut funktionierenden System beigemessen wird, in dem der Mensch zunehmend zu stören scheint. Nietzsche setzte den Wert der „Lebensdienlichkeit“ zum Maßstab für den Gebrauch der Historie (gegen eine lebensabgewandte und sich Objektivität und Richterfunktion anmaßende Gelehrsamkeit). Wir empfehlen in unserem Vorschlag für die „Haltungen für ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung“ an erster Stelle, den „Raum vom Menschen aus zu denken“. Und so haben wir schließlich im Sinne eines Gedankenexperiments an die Stelle von „Historie“ in Nietzsches oben angeführtem Zitat das Wort „Planung“ gesetzt; und auf diese Weise angeregt von der Frage nach der „Lebensdienlichkeit“ von Planung heute schlagen wir unsere Haltungen für das Leitbild zur räumlichen Entwicklung des Rheintals vor und präsentieren die Idee des „Lebensraum-Profilers“. Diesen verstehen wir als Hinweis auf das gesellschaftliche Potenzial von räumlicher Planung über die Entwicklung effizienter Lösungen in technischer Hinsicht hinaus und schlagen seine Weiterentwicklung als Planungsinstrument vor.
Zunächst aber zu unseren Ausgangsfragen: Im Sinne der Bezeichnung unseres Fachteams – soziokulturelle Entwicklung – wählten wir die Frage nach der Planungs- und Steuerungskultur in der Gesellschaft. Wie – so fragten wir uns – sollte diese in einem Land beschaffen sein, damit die notwendigen Projekte umgesetzt werden und sich die „guten“ Projekte durchsetzen? Welche Instrumente könnte es geben, zu einer Bewertung von dem zu kommen, was „gut“ ist? „Gut“ für den Einzelnen? „Gut“ für das Gemeinwesen? „Gut“ nach welchen Bewertungskriterien?
Wie – so fragten wir uns weiter – könnten Planungsprozesse verlaufen, damit sie nicht nur technisch und pragmatisch „gut“ im Sinne effizienter Lösungen sind, sondern als Prozesse zum „inneren Kitt“, der unsere Gesellschaft zusammenhält und durch den Gesellschaft die Dimension von Gemeinschaft erreict, beitragen können? Kurz: Wie könnte Planung und die Umsetzung von Projekten auch für die Arbeit an diesem „inneren Kitt“ von Gesellschaft und für das Herstellen von Gemeinschaft nutzbar gemacht werden?
In der Sprache des Sozialphilosophen Axel Honneth ist das, was wir als „inneren Kitt“ unserer Gesellschaft beschreiben, „die gemeinsame Bindung an übergreifende Werte“. Und ohne ein bestimmtes Maß dieser Bindung, so der (nicht des Konservatismus verdächtige) Leiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, „ohne das, was wir eine soziale Wertegemeinschaft oder kulturelle Lebensform nennen können,“ sei der solidarische Zusammenhalt und die Funktionsfähigkeit einer demokratischen Gesellschaft nicht gewährleistet.
Mit der Frage nach dem möglichen Nutzen von Lebensraum-Planung für die Arbeit am „inneren Kitt“ bzw. an den „übergreifenden Werten“ unserer Gesellschaft befinden wir uns mitten in der derzeit aktuellen Wertedebatte und damit bei der gegenwärtig oft besorgt gestellten Frage nach dem inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir möchten mit unserem Beitrag eine Brücke schlagen von dieser Debatte zu vis!on rheintal und zu Planungs- und Steuerungsaufgaben generell. Warum die Wertedebatte und die Frage nach dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft derzeit Hochkonjunktur haben, wird auf vielfache Weise erklärt. Ins Treffen geführt werden das zunehmende Stottern des Arbeitsmarktes, der den zentralen Integrationsmotor unserer Gesellschaft darstellt(e), und die zunehmenden Herausforderungen für den Wohlfahrtstaat angesichts der sozialen und demographischen Entwicklung. Weiters wird auf die Unsicherheit verwiesen, die mit der Schwächung des Nationalstaates als Folge von Globalisierung und der Herausbildung transnationaler Systeme wie der Europäischen Union einhergeht. Auch die zunehmende ethnische und kulturelle Pluralisierung trägt zum besorgten Fragen nach dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Kritiker der Wertedebatte befürchten wiederum, dass diese in erster Linie dazu diene, von der notwendigen Diskussion um die gerechte Verteilung der gesellschaftlichen Ressourcen abzulenken.
Wir erachten diese Wertedebatte in mehrer Hinsicht als wichtig. Zum einen ist absehbar, dass angesichts der beschriebenen Veränderungen den gesellschaftlichen Ebenen „unterhalb“ des Nationalstaates und damit auch den „freiwilligen“ (Verein, Gemeinde …) und „unfreiwilligen“ (Familie, in gewisser Weise auch religiöse und ethnische) Gemeinschaften verstärkte Aufmerksamkeit und neue Aufgaben zuwachsen. Sie werden wichtiger auch für die existenzielle Absicherung der Individuen. Über diese pragmatische Funktion hinaus (ausführlich in der Sozialkapitaldebatte ausgeleuchtet) sehen wir in der Arbeit in und an Gemeinschaft aber auch ein Potenzial für Sinnstiftung und Zufriedenheit für das Individuum.
Wir warnen jedoch auch vor der Überforderung dieser Ebene und den Gefahren, die von ihr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ausgehen können. Wenn bspw. die Bildungschancen von Kindern noch stärker vom familiären Hintergrund abhängig werden, als sie das in Österreich gegenwärtig schon sind, dann wird der gesellschaftliche Wert der Chancengleichheit unterhöhlt. Und was die Gefahren betrifft, so muss man dem ins Auge sehen, dass es bei Gemeinschaft und Gemeinschaften immer auch um die Fragen von „Einschluss“ und „Ausschluss“ geht. Die Vorstellung, worin Zugehörigkeit besteht und wodurch sie hergestellt werden kann, ist daher von entscheidender Bedeutung. Müssen als zugehörig Anerkannte bestimmten geachteten Religionen angehören oder „immer schon“ in einem Land heimisch gewesen sein? Werden bestimmte Herkunftskulturen (wie bspw. die westeuropäische) noch als annehmbar für das Herstellen und Erleben von Gemeinsamkeit erachtet, andere (wie bspw. die türkische) jedoch nicht mehr?
Unser Konzept der Herstellung von Gemeinschaft setzt auf das Verbindende von Faktoren wie der geteilten Anerkennung von Regeln, der gemeinsamen Erarbeitung von Lösungen und auch des Sich-einigen-Müssens auf eine Basis oder ein Bündel von Werten: im Prozess, durch Diskussion und Konsensbildung und im Rahmen nicht zur Diskussion stehender „übergreifender“ Werte wie Gleichheit, Freiheit und Solidarität. In unseren Augen sollten möglichst viele Möglichkeiten dafür geschaffen werden, dass Individuen gemeinsam an Lösungen arbeiten und sich auf die für ihren Lebensraum relevanten Werte einigen. Es genügt nicht, an Wertebildung und -bindung nur appellierend heranzugehen, im Sinne einer unkonkreten Forderung nach Wertebindung oder eines genau so unkonkreten allgemeinen Bejammerns des Verlustes von Werten. Eine demokratische und Pluralität akzeptierende sowie Veränderung gestaltende und nicht nur ertragende Gesellschaft, muss sich der Mühe unterziehen, Werte konkret zu benennen, zu argumentieren, der Debatte auszusetzen und (bspw. auf Interessen oder Ein- und Ausschlussmechanismen) zu reflektieren. In diesem Sinne ist unsere Vision ein Vorarlberg, das den Mut hat, Werte konkret zu benennen und sie offen und streitbar zu diskutieren; ein Land, dem – im Sinne der Gestaltung von Veränderung – seine Konfliktkultur so wichtig ist wie seine Fähigkeit, sich zu einigen, und das über das Bewusstsein verfügt, dass die Pflege der Gemeinschaftsdimension seiner Gesellschaft dauerhafter Arbeit bedarf.
In diesem Verständnis haben wir den „Lebensraum-Profiler“ zur Analyse und Erhöhung der Qualität des Lebensraumes als Hinweis auf das demokratiepolitische Potenzial der Planung von Projekten und als weiter zu denkendes Instrument für einen Einsatz in diesem Sinne entwickelt. Er basiert auf zwölf Werten, die uns für eine soziokulturelle Entwicklung unseres Lebensraumes als wichtig erscheinen und auf die wir uns als Mitglieder des Fachteams einigen konnten; eine Gruppe, bestehend aus Frauen und Männern, etwas Älteren und etwas Jüngeren, die einen in beruflich sicheren Positionen, die anderen in etwas unsichereren, die einen religiös fest beheimatet, andere spirituell noch stärker auf der Suche befindlich und viele weitere Differenzen mehr. In Schlagworten beschrieben sind das die Werte „Beteiligung“, „bottom up“ oder „von unten“, „Ortsspezifität“, „Eigenständigkeit“, „Vielfalt“, „Denkoffenheit“, „Lebendigkeit“, „Ganzheitlichkeit“, „Sinnstiftung“, „Funktionalität“, „Kosteneffizienz“ und „Gestaltungsqualität“. Beschrieben und begründet haben wir diese Werte entlang den Kategorien „Ziele“, „Beschreibung“, „Extrempole, die ein Wert entwickeln kann“, „Was bisher geschah, was sich ändern soll?“ und anhand eines Beispiels. Diese Werte können als inhaltlicher Leitfaden für das gemeinsame Gespräch über den jeweiligen Lebensraum dienen. Der „Lebensraum-Profiler“ unterstützt so eine Kultur des Sprechens, Reflektierens, Beurteilens und Planens von Raum innerhalb eines Projektteams, einer Gemeinde oder in einer Region. In diesem Sinne ist er ein Instrument der Förderung und Gestaltung von Partizipation und er kann dadurch die Identifikation mit einem Lebensraum erhöhen.
„Macht uns die Planungsprozesse doch bitte nicht noch komplizierter, als sie es schon sind“, wurde uns im Rahmen von vis!on rheintal immer wieder gesagt. „Kompliziert zu welchem Nutzen“, können wir dem im Lichte unserer voran gegangenen Ausführungen nur entgegen halten. Gesellschaftliche Veränderungen bedürfen der Weiterentwicklung von Planungsinstrumenten und auch von Gesetzen; gerade dann, wenn Werte – wie bspw. Beteiligung – ernst genommen werden. Das Vorarlberger Baugesetz sieht in der Mitsprache bei Bauvorhaben lediglich den Einbezug der Grundstückseigentümer vor. Mieter und Mieterinnen, junge Menschen, Migranten und Migrantinnen oder potenzielle Nutzer haben keine Rechte im Prozess oder Zugang zu Informationen. Das Vorarlberger Raumplanungsgesetz sieht bei der Erstellung eines Flächenwidmungsplanes oder eines Bebauungsplanes die Einsichtnahme und Stellungnahme der Gemeindebürger und -bürgerinnen vor, jedoch ohne konkrete Hinweise dafür zu geben, wie nach der Kenntnisnahme mit allfälligen Änderungsvorschlägen umzugehen ist. Die Arbeit am „inneren Kitt“ unserer Gesellschaft bedarf einer neuen Kultur der Lebensraumplanung mit neuen Mindeststandards für die Analyse- und Planungsprozesse.
2. Die Anwendung des Lebensraum-Profilers: Persönliche Positionierung im Prozess
Letztendlich muss der Einzelne oder die Gruppe selbst bestimmen, was „gut“ für ihn oder für sie ist. Durch die Einigung wird die Gruppe zur Gemeinschaft. Jede Beschreibung der Werte würde zu einer voreinnehmenden Positionierung im Prozess führen. Wir formulieren die Werte in Form von Fragen. Diese helfen, sich selbst, als Individuum wie auch als Gruppe, auf den zwölf Wertachsen zu positionieren und zu einer Einigung zu gelangen.
1. Beteiligung: Bin ich informiert? Kann ich beim Vorhaben mitreden? Kann ich mitbestimmen?
2. „Von unten“: Wer steckt hinter dem Vorhaben? Was will ich? Ist das Vorhaben meins?
3.Ortsspezifität: Was ist das Besondere an diesem Ort? Was ist für mich verzichtbar? Unterstützt das Projekt, dass ich mich hier heimischer fühle?
4. Eigenständigkeit: Macht das Vorhaben mich unabhängiger? Fühle ich mich mit dem Projekt sicherer? Macht es mich eigenständiger?
5. Vielfalt: Ist die bestehende Vielfalt meiner gesellschaftlichen Mitwelt im Projekt abgebildet? Hebt es die Vielfalt meiner Möglichkeiten?
6. Denkoffenheit: Ist Kritik möglich? Kann ich meine Anregungen einbringen? Werden meine Anliegen ernst genommen?
7. Lebendigkeit: Würde ich gerne beim Projekt mitmachen? Kann ich mich im Raum weiterentwickeln? Würde ich den neuen oder veränderten Ort in Anspruch nehmen?
8. Ganzheitlichkeit: Was würden meine Vorfahren zu dem Projekt sagen? Habe ich bei diesem Projekt ein gutes Gefühl „im Bauch“? Bringt dieses Projekt Gutes für unsere Kinder?
9. Sinnstiftung: Kann ich mit dem Vorhaben etwas anfangen? Würde ich mich über die Umsetzung freuen? Gibt es mir Raum zum Nachdenken, für Gemeinschaft, mich zugehörig zu fühlen?
10. Funktionalität: Ist das Vorhaben brauchbar? Ist die Brauchbarkeit für die nächsten Jahre sichergestellt? Nehme ich die Nebenwirkungen in Kauf?
11. Kosteneffizienz: Stehen die Ausgaben für die Einnahmen? Würde ich mein Geld in das Projekt investieren?
12. Gestaltungsqualität: Ist das Projekt für mich schön? Wäre ich stolz darauf, wenn das Projekt umgesetzt würde?
3. Die Anwendung des Lebensraum-Profilers: Die Einigung im Prozess
Erst die Einigung auf die gemeinsamen Werte sowie ihre Argumentation und Auseinandersetzung im Prozess macht eine Lebensraumplanung wertvoll. Erst dann lohnt es sich, für den einzelnen Menschen wie für die Gemeinschaft, für die Werte einzustehen und die ihnen implizite Verantwortung zu tragen.
Ein Anwendungsbeispiel:
Der Stadtteil „Bärenwiese“ im Rheintal soll im Jahr 2007 umgestaltet werden. Hierzu wird ein Stadtteilrat mit Entscheidungsbefugnis gewählt. Dieser soll in Zusammenarbeit mit den lokalen Eigentümern und Nutzern die Zielsetzungen für die Weiterentwicklung des Stadtteils formulieren.
Der Lebensraum „Bärenwiese“ wird heute unterschiedlich genutzt. Die Menschen wohnen in Einfamilienhäusern, Pendler von außen arbeiten in den vorhandenen Betriebsgebäuden. Die Kinder spielen auf der Straße oder in den mit Gestrüpp bewachsenen unbebauten Baugrundstücken.
Die Bürgermeisterin wie auch die Nutzer des Gebietes haben unterschiedliche Beziehungen zur „Bärenwiese“. Gemeinsam wollen sie eine Verbesserung des Gebietes erreichen. Sie formulieren ihre individuelle Bewertung im Lebensraum-Profiler.
Übereinstimmend sehen sie die gesellschaftliche Vielfalt im Gebiet abgedeckt und einen gewissen Grad an Eigenständigkeit im Stadtteil. Höchst unterschiedlich bewerten sie die Kosteneffizienz des Lebensraumes wie auch die Beteiligung in der Entwicklung des Gebietes. Erste Spannungen zeigen sich.
Daraufhin beginnen sie ihre Zielvorstellungen für die weitere Entwicklung des Stadtteils zu formulieren und tragen diese im Lebensraum-Profiler ein. Natürlich kommen sie zu unterschiedlichen Ergebnissen:
Jetzt ist es Zeit, sich miteinander auszutauschen. Die Gesellschaft ist demokratisch organisiert, die finanziellen Mittel der Gemeinde sind knapp. Für die Weiterentwicklung des Stadtteiles „Bärenwiese“ ist es notwendig einen Grundkonsens über das zukünftige Profil des Stadtteiles zu gewinnen.
Das Sprechen und Mitteilen über den gemeinsamen Lebensraum „Bärenwiese“ beginnt. Spannend werden insbesondere die Diskussionen über die Erwartungen in den Bereichen werden, in denen die höchsten Unterschiede in den Bewertungen sichtbar werden. Die Diskussionstandpunkte könnten somit lauten:
- Beteiligung – Die Nutzer wollen mehr mitbestimmen, die Bürgermeisterin will selbst entscheiden.
- „von unten“ – Die Nutzer wollen Projekte initiieren, wollen selbst gestalten, die Bürgermeisterin will Initiativen, die in ihr Gesamtkonzept passen.
- Vielfalt – Die Nutzer sehen die Vielfalt als ausgewogen, wollen nur begrenzt Neues, die Bürgermeisterin sieht die Berücksichtigung weiterer gesellschaftlicher Dimensionen als wichtig.
- Ortsspezifität – Die Nutzer wollen ihre eigenen Heimatgefühle unterstützen, die Bürgermeisterin möchte Ausgeglichenheit über alle Stadtteile.
- Lebendigkeit – Den Nutzern ist die langfristige Nutzungsqualität und bspw. Adaptierbarkeit der Gesamtanlagen wichtig, die Bürgermeisterin legt mehr Wert auf die Bereitstellung des Angebots.
- Sinnstiftung – Die Nutzer wollen Gemeinschaftsflächen, der Bürgermeisterin ist dieses nicht so wichtig.
- Kosteneffizienz – Den Nutzern sind die Kosten nicht wichtig, die Bürgermeisterin hingegen will ihre begrenzten Mittel möglichst effizient einsetzen.
Die Diskussionen sind zeitlich auf acht Wochen begrenzt. Bis dahin sind die Positionierungen und die Einigung in der Gruppe möglich. Auf der Basis der Auseinandersetzungen und der Ergebnisse im Prozess entscheidet der Stadtteilrat für das zukünftige Profil des Lebensraumes „Bärenwiese“.
4. Haltungen für ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung und regionalen Kooperation von vis!on rheintal
Raum
vom Menschen aus gedacht:
offensiv
ressourcenorientiert
irritierend
Das Leitbild möchte
- Visionen und Ideen ermöglichen und unterstützen
- Menschen ermutigen, stärken und deren Selbstermächtigung bewirken
- Eine herausfordernde (Um)Welt, in der Sinnstiftung gelingt, wahrscheinlich machen
- Widerspruch und Kritikfähigkeit stärken
- Konflikte aushalten und Lösungen durch die Beteiligten selbst herbeiführen
- Öffentliche Orte schaffen, an denen ohne Konsumationspflicht Aufenthalt und Kontakt möglich sind, und die zu Fuß erreichbar sind
- Räume so gestalten, dass sie zum Schritt über die (Raum)Grenze einladen statt Abgrenzungen zu erzeugen
- Freiräume für persönlichen Ausdruck eröffnen
- Unterschiede anerkennen, Vielfalt wertschätzen
- Auf zu Bewahrendes achten, Übergänge gestalten, auf Bleibendes bauen
- Mut zum Scheitern machen
- Bürger/innen/schaftliches Engagement achten und schätzen
Fachteam Soziokulturelle Entwicklung, Mai 2006
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Last modified 2006-06-06 13:59
