Nachtrag
Die Präsentationen hatten einen spannenden Verlauf, ich habe jedoch kaum mitgeschrieben. Oliver Marchart bezeichnete Community-Leben auch als eine Kultur der Trennung. Nur Gemeinschaften schaffen Reibflächen, an denen sich Gesellschaft weiterentwickelt. Er forderte eine Instanz den Medialen, welche politisch definiert ist und Gemeinschaft ermöglicht, aber auch trennt.
Diese Neudefinition der Medientheorie hätte eine neue Bestimmung zB zum Begriff der Öffentlichkeit zur Folge. ZB Hannah Arendt folgend, die Mut einfordert, weil Kommunikation im öffentlichen Raum konfliktbehaftet sein kann. Die ideale Kommunikationssituation gibt es nicht, immer gibt es Macht und Konflikte. Öffentlichkeit ist das, was die Logik der Medien eingentlich durchbricht, sie ist nur dort, wo Antagonismus ist. Medien generieren nur dort Öfffentlichkeit, wo Medien Spannungen herstellen, sonst verschleiern sie ja nur.
Evelina Bühler-Ilieva beschreibt die Sicht von innen nach aussen in einer schweizer Datingplattform. Man kann jemanden zuerst kennenlernen, ohne sich ein Bild zu machen. Der virtuelle Partner kann wichtiger werden als der Partner im realen Leben.
Gundolf Freyermuth führtes uns durch eine atemberaubende Reise der Kulturgeschichte der Beziehungen. Hier wurde eines klar: Die Gegenwart ist eine Station, durch die man rasend schnell druchläuft. Er konstituiert eine Krise analoger Netzwerk-Theorie: Six Degrees of Separation (Stanley Milgram) widersprach der mathematischen Theorie, dass hunderttausende Kontakte notwendig wären, um einen Brief von einer zu einer anderen Person zuzustellen. Jeder ist von jedem nur 6 oder 7 Kontakte weit entfernt. Besonderen Einfluss auf die Stärke eines weitverzweigten Netzwes haben hierbei die "weak ties".
Internet ist kein egalitäres Netzwerk, sondern ein aristokratisches, mit dicken Knoten (yahoo, ebay, ft, etc). Hubs sind empfindlich für das ganze Netz.
Das Entstehen von Schwarzen Löchern, wenn sich Leute aus dem Netz ausklinken wollen, war eine Erkenntnis, die erst während des Vortrages gekommen ist. Der Auszug aus dem Web 2.0 scheint nicht möglich. Mich gibt's im Netz nur als soziale Kategorie, nie als Individuum, der Name ist ja völlig egal. Hauptsache ich hinterlasse Eigenschaften, die vergleichbar und für andere nützlich sind.
Soweit einige inhaltliche Notizen zu den sehr feinen Vorträgen. Mit der formalen Umsetzung war ich weniger zufrieden - die Technik hat mehr gestört als untersützt.
Wieder einmal eine Veranstaltung, bei der die Ressourcen zu einer guten medialen Inszenierung fehlten. Ewige Umbauzeiten zwischen den Vortragenden, Rückkoppelungen oder nicht aktive Mikrofone, plötzliche Lichtschwankungen gehörten im niegelnagelneuen Audimax der FH Salzburg zur Grundstimmung des Symposiums BasicsIII. Jalousien machten sich selbständig und die Lichtverhältisse waren nicht angepasst.
Das Video-Coverage war ohne Konzept und lenkte ab: man beobachtet die überhöhten Vortragenden wie sie auf dem Stuhl wippen und versucht die zweisekündige Verzögerung der Lippenbewegungen nachzumimen. Ohne Insert wissen die entfernten Zuhörer im MQ in Wien und in Dornbirn nicht, dass der Zeitplan eine halbe Stunde hinterher ist und ordnen die Vorträge den falschen Menschen zu.
Ich fordere bei öffentlichen Veranstaltungen, auch im akademischen Kontext, eine professionelle Begleitung der Inszenierung. Dazu gehört nicht nur die Bereitstellung einer Vorlage für PowerPointfolien, damit nicht die Buchstaben wild herumfliegen (denn kaum ein Vortragender ist auch ein guter Gestalter), oder inwiefern Moderatoren sich in die Diskussion einmischen sollen - zumindest sollten sie in der Lage sein, die Fragen so zu formulieren, dass sie die Vortragenden auch verstehen.
