Finanzonline Tipps

Für die Einkommenssteuererklärung verstecken sich die Online-Hilfe oder die Betriebsausgaben hinter merkwürdigen Bezeichnungen.

Alle Jahre wieder rechne ich die selbstständigen Tätigkeiten als Ein/Ausgabenrechner zusammen und ziehe die damit verbundenen Ausgaben ab. Der Zeitaufwand, sich mit einem Steuerberater zusammenzusetzen und die Belege durchzubesprechen ist etwa gleich hoch, als diese selber in eine Tabelle einzutragen und das E1 Formular auszufüllen - vorausgesetzt, man hat darin etwas Übung.

Das Finanzministerium ist zwar stolz auf deren Finanz Online Service, doch leider ist dieser nicht sehr intuitiv zu bedienen und erinnert an eine Web-Anwendung aus den 90er Jahren. So verbirgt sich etwa die erste Hilfe für das ziemlich komplexe Formular für die Einkommenssteuer hinter dem Menüpunkt Sonderfunktionen / Anonyme Steuerberechnungen / Abgabenarten - Steuern auf Umsatz und Ertrag / Anonyme Einkommenssteuer / Anonyme E1 2009 . Auch in den jeweiligen Formularen gibt es eine Hilfe-Funktion, die jedoch sehr ungenau auf den Kontext verweist.

Die Betriebsausgaben sind unter "Einkünfte aus selbständiger Arbeit - EinzelunternehmerInnen" einzutragen. Und für Aufwendungen und Betriebsausgaben ist die einzig passende Kategorie: Waren, Rohstoffe, Hilfsstoffe. Dienstleistungen, die ich zugekauft habe, gehören hier wohl auch hinein, auch wenn in der Hilfe nur von Materialveredelung die Rede ist. In der Online Hilfe heisst es dazu: "Umsatzerlöse sind die für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Unternehmerin/des Unternehmers typischen Erlöse aus dem Verkauf und der Nutzungsüberlassung von Erzeugnissen und Waren sowie aus Dienstleistungen. Weiters gehören dazu insbesondere Erlöse aus dem betriebstypischen Verkauf von Schrott, Abfallprodukten, nicht mehr benötigten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und Erträge aus Beteiligungen an Arbeitsgemeinschaften (z.B. Baugewerbe)." Das Vokabluar müsste mal dringend für die Kreativwirtschaft und andere Branchen modernisiert werden.

Nachdem ich die Kennzahl 320 richtig nachgerechnet habe (das System sagte nur, dass die Summe falsch war), findet es mehr Lohnzettel, als ich anfangs eingegeben hatte: Verarbeitung konnte nicht durchgeführt werden, folgende Fehler sind aufgetreten: "Die von Ihnen eingegebene Anzahl der bezugsaus-, pensionsauszahlenden Stellen ist kleiner als die Anzahl der Arbeitgeber der beim Finanzamt bereits gespeicherten Lohnzettel (Allgemeine Daten bzw. Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit)." Doch bei "Allgemeine Daten" gibt es eine solches Eingabefeld nicht und ein Formular für "Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit" sehe ich auch nicht. Es ist zum Mäusemelken! Da werde ich morgen Montag eine Hotline anrufen, die Nummer ist in einem Menüpunkt gut versteckt.

Auf der Webseite des Finanzministerium heisst es: "Müssen Umsatzsteuervoranmeldung, Umsatzsteuererklärung, Einkommensteuererklärung und Körperschaftsteuererklärung über FinanzOnline abgegeben werden? Soweit zumutbar, ist die elektronische Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung, Umsatzsteuererklärung, Einkommensteuererklärung und Körperschaftsteuererklärung über FinanzOnline verpflichtend vorgeschrieben." Wer entscheidet hier über die Zumutbarkeit? Jeder Usability Test würde die Unzumutbarkeit bestätigen.

Im Übrigen wäre eine progressive Flat Tax oder eine saftige Transaktionssteuer eine einfache Lösung, um ein ähnlich hohes und auch gerechtes Steueraufkommen zu erzielen, ohne dass Millionen Menschen dutzende Formularseiten durchscrollen müssen. Selbstständige und Arbeitnehmer verbringen jährlich viele Stunden mit Steuererklärungen, oder bezahlen einen Steuerberater dafür, um letztlich einige Vorteile zu lukrieren, denn mit den vielen Optionen ist fast für jeden etwas dabei. Eine radikale Vereinfachung würde zwar viele Steuerberater arbeitslos machen, aber es kann doch nicht sein, dass wir die Dinge so komplex halten, um Arbeit für uns oder Berater zu schaffen, die es eigentlich nicht benötigen sollte. Jeder, der Einkünfte als KleinunternehmerIn erzielt, sollte in der Lage sein, mit wenig Aufwand selbst die Steuerveranlagung vorzunehmen. Auch wenn die Usability von Finanzonline verbessert werden würde, wird die Bedienung nicht viel einfacher, denn das österreichische Steuersystem ist ein Labyrinth mit hunderten Sonderregelungen. Da die Lobby in den Händen der Steuerberater bleiben wird, wird sich wohl nicht viel ändern, denn der Verband der Steuerzahler bietet da kaum Paroli http://www.steuerzahler.at .

 

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Kommentare

Lösung für Eingabefeld: Anzahl der Lohnzettel

Wo ist also nun die Anzahl der Lohnzettel einzugeben?

Erst wenn man den Menüpunkt
4.0 Außerbetriebliche Einkunftsarten ausklappt, sieht man
4.1 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Werbungskosten)

Wir fragen lieber nicht nach, warum dieses Feld nicht einfach automatisch ausgefüllt wird, weil die Lohnzettel ja unter Menüpuinkt 10 eigentlich schön aufgelistet sind. Und die Fehlermeldung verweist nach 3 Jahren immer noch auf das falsche Feld, nämlich dass die Anzahl der Lohnzettel bei den Allgemeinen Daten einzugeben wäre.

Vielen Dank

Dank dem Hinweis konnte ich die in der Steurerklärung fertig machen und abgeben, Ich musste nur eine Eins bei der Anzahl der Lohnzettel eintragen.

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