Wörthersee in privater Hand

Wir verbringen ein paar Tage in Kärnten. Die Nicht-Politik der letzten Jahrzehnte wird an viele Ecken sichtbar:

Radwege am Südufer des Wörthersees sind schlecht instand gehalten. Rumpeliger Asphalt, kleinteiliger Bodenbelag und Nachrang im Ortsgebiet an vielen Kreuzungen macht klar, dass diese Form der Mobilität allenfalls den Touristen zugedacht ist.

Wer am Ufer entlang fährt, findet nur sehr wenige Zugänge, die öffentlich sind. Gemeinden verkaufen Grundstücke an Reiche und Superreiche und nehmen Abstand von Widmungsauflagen. So darf Frank Stronach nun ein Hotel privat nutzen, obwohl er daraus ein Erholungscenter mit öffentlichen Zugang hätte machen sollen. Das Grundstück hat er um € 101.- pro m2 erworben, Marktpreis ist € 2000.-.

Wer mit dem Schiff in Klagenfurt anlegt, wird vergeblich Wegweiser suchen, etwa zum beliebten Ausflugsziel Minimundus. Riesige Parkplätze und kein Zebrastreifen zur Bushaltestelle Minimundus am  mehrspurigen Villacher Ring.

Fahrkarte für den Verkehrsverbund? Fehlanzeige im Bus, da gibt's nur ein Einstunden-Ticket nach Klagenfurt. Beim Umstieg nach Keutschach macht der selbe Bus zuerst Zwangspause von 20 Minuten am Heiliggeistplatz, und bei der Hasnerschule gibt es gleich 7 Haltestellen, wir hatten mit gnädigen 10 Minuten Umstiegszeit jene Richtung Keutschach dann doch noch gefunden. Wie wär's mit Taktfahrplan und einem zentralem Knotenpunkt aller öffentlichen Verkehrsmittel zum Beispiel am Hauptbahnhof? Den Busplatz in der Stadt hat man in Innsbruck vom Bozner Platz schon vor mehr als 20 Jahren und von der Riedgasse in Dornbirn vor 10 Jahren zum Hauptbahnhof verlegt!

Nicht einmal Krumpendorf, gerade mal 5 km von Klagenfurt, wird mit Erdgas versorgt. Die Hotels hier haben Gastanks im Garten stehen. Und Sonnenkollektoren, egal ob für Dusche oder Strom, sind kaum auszumachen.

Ob Kärnten einen Neuanfang schafft? Hier ist wohl fast jeder mit Touristen und Seegrundstücken zu so viel Wohlstand gekommen, dass weder investiert noch aufgearbeitet werden muss.

Kärnten bleibt wohl noch länger Österreichs Sorgenkind, mental, sozial und wirtschaftlich. Unterstützen wir jene, die versuchen, etwas weiter zu bringen.

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