Ach, die Bundestheater!

 

Ein schweres Erbe, das die Republik von der Monarchie übernehmen musste. Die feudalen Strukturen ist man in den fast 100 Jahren nicht los geworden.

Da geht es nicht nur um einen Burgtheaterdirektor, der mehr verdiente als der Bundeskanzler und jetzt - vielleicht - wieder Schaden gut machen muss. Und strafrechtlich wird er nicht behelligt, wenn er auf seinen arbeitsrechtlichen Prozess verzichtet.

Da geht es auch um eine Ministerin (Claudia Schmied), die nicht nur im freien Kulturbereich keine Ahnung hatte, was zu tun ist. "Die Einkommensprobleme der freien Kulturarbeit sind über das Budget der Kunstsektion nicht zu lösen", meinte sie, man solle auf das bedingungslose Grundeinkommen warten, dafür sei aber nicht sie sondern das Sozialministerium zuständig. (Gott sei Dank!)

Sie bestellte auch eine Effizenzprüfung der Bundestheater, deren Ergebnisse sie dann bis zum Ende ihrer Amtszeit vor der Öffentlichkeit versteckt hielt. Und dann verabschiedete sie sich aus der Politik mit "großer Grandezza", wie sie dachte, wobei schon die Formulierung die ersehnte Größe vermissen ließ. Verantwortung für die Schäden, die sie durch ihre Unterlassungen den Steuerzahler/innen zugefügt hat? Der Anwalt ihres Nachfolgers meint: Da sie nicht mehr Ministerin ist, gibt es keine Ministerverantwortung. Weil ihr ein Schädigungsvorsatz nicht nachweisbar sein werde, kann es auch keine strafrechtlichen Folgen geben. Wofür bekommen "Verantwortungsträger/innen" dann ihr Geld??

Jetzt bestellt ihr Nachfolger Kulturminister Ostermayer ein Gutachten bei der Infora Consulting Group, was mit der Bundestheaterholding anzufangen sei - hat denn die Effizienzprüfung dazu so überhaupt nichts ergeben? Die Infora hat übrigens ein dünnes, aber kostspieliges Gutachten zum Feldkirch Festival im Auftrag der Stadt verfasst. Die öffentlichen Subventionen wurden als Teil der "Wertschöpfung" eingestellt, als deren wesentlicher Teil, denn sonst gab es ja keine "Wertschöpfung" im ökonomischen Sinn (Wertschöpfung = Gesamtleistung minus Vorleistung, oft auch als 'Gewinn' bezeichnet). Infora hat auch eine hohe Umwegrentabilität berechnet. Wie das ging, ist schwer nachvollziehbar, denn nachgewiesen ist, dass es im Zeitraum des Festivals nicht mehr Übernachtungen in Feldkirch gab als zu jedem anderen beliebigen Zeitpunkt im Jahr. Griffiger hat Peter Füßl das in der Kulturzeitschrift formuliert: "Das Feldkirch Festival ist eine Reise wert - aus Frastanz."

Jetzt wird uns also die Infora Consulting Group sagen, was denn mit der Bundestheaterholding zu geschehen hat. Denn Minister Ostermayer hält sich ja, wie er sagt, an die Vorschläge seiner Berater. Was ist eigentlich mit den zuständigen Fachbeamt/innen? Haben die alle immer nur auf Befehl der Minister/innen gehandelt? Haben die keine eigenen Auffassungen davon, wie die Bundestheater zu organisieren wären?

Ich würde mit einem Gehaltsschema für die Leitungspositionen beginnen, das sich z.B. am Gehalt eines Nationalratsabgeordneten orientiert. Dieses Schema gilt schließlich für alle politischen Funktionsträger/innen. Dann wäre man schon diejenigen "Führungskräfte" los, denen es in erster und zweiter Linie ums Geld geht.

Als nächstes wäre dafür zu sorgen, dass das Bundestheatergesetz eingehalten wird - auch was die Programmierung betrifft. Die Staatsoper verstößt seit Jahren dagegen.

Oder sollte zunächst einmal gefragt werden, wofür es die Bundestheater braucht? Die Frage ist ja teilweise durch das Bundestheatergesetz beantwortet. Wie gesagt - ein schweres Erbe.

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