Das Prekariat in der Kreativwirtschaft

Die Zeitschrift "Kulturrisse" [1] nähert sich in ihrer Dezemberausgabe 2006 aus unterschiedlichen Blickwinkeln dem Prekariat in den Cultural Industries. Ich habe diese zusammengefasst und mit Vorschlägen ergänzt.

In Deutschland sind mittlerweile mehr als ein Drittel der Arbeitsverhältnisse nicht standardisiert (p 9); 46% empfinden ihr Leben als "ständigen Kampf" (p 8). Prekäre Arbeitsverhältnisse sind kennzeichnend für Tätigkeiten in der Kreativwirtschaft. Dazu zählen jene Berufsfelder, die mit jenen der angewandten Kunst identisch sind (p. 38): Grafik, Design, Mode, Architektur und die Medien.

Wenn ein Krankenstand den Rausschmiss aus einem Projekt bedeuten kann, dann erinnert der Sektor an Ausbeutungsverhältnisse des Frühkapitalismus. Die klassische Reaktion dazu wäre die Entwicklung von Organisationsformen zur Verteidigung und Entwicklung sozialer und politischer Rechte (p41). Gewerkschaften grenzen sich weiterhin bewusst vom Sektor der Selbständigen ab (Kampf gegen Scheinselbständigkeit, p 32), also übernimmt die Wirtschaftskammer die Aufgabe mit der creativwirtschaft austria, die Produktionsbedingungen zu verbessern, wenn der Wachstum in diesem Sektor weiterhin forciert werden soll.

Die Prekarier der CI sollen sich also selbst organisieren. Dies kann mit bereits bestehenden Institutionen und auf mehreren Ebenen geschehen. Die Bereitschaft, sich für eine Sache einzusetzen, entsteht erst dann, wenn die Betroffenen das Gefühl haben, dass sie selbst oder Vertreter aus den eigenen Reihen mitbestimmen können (p 33). Ansonst wird es zu weiteren Vereinsbildungen kommen, wo Kreative in ihren Sparten Parallelstrukturen aufbauen, die mitunter nur geringe politische Wirkung haben würden.

Wichtig ist, den Kreativen über die Sparten, denen sie sich weiterhin am nächsten zugehörig fühlen, zu sagen, dass sie zur Kreativwirtschaft gehören und gemeinsame Anliegen zu formulieren.

Wenn die Existenz unsicher geworden ist, dominiert die Sorge um den Arbeitsplatz oder das nächste Projekt und dämpfen so das Innovationspotential (p 12). Kreativität, Innovationsbereitschaft und Flexibilität kommen nicht ohne kollektive Sicherungen aus. Daraus könnten sich folgende politische Forderungen zur Förderung des Sektors ableiten:

1. Preis- & Qualitätsbewusstsein (Richtstundensätze nicht erlaubt, sie verzerren den Wettbewerb, ein "Kollektivvertrag" auf der Anbieterseite ist nicht möglich, aber man kann etwa Erhebungen publizieren)
2. Grundsicherung (bedingungslos)
3. Soziale Absicherung ausbauen (vgl. Künstlersozialversicherung)
4. Entbürokratisierung (Freies Gewerbe erweitern)
5. Förderung von Netzwerken und Genossenschaften

Letztere sollen die horizontale und vertikale Marktaufbereitung unterstützen, um die Dienstleistungen auf dem internationalen Markt besser positionieren zu können.


Wir benötigen genauere Zahlen und Factsheets zur derzeitigen Umverteilungssituation bei den Kreativen:

Was sind die Budgets bei:
- Verwertungsgesellschaften
- Kulturschilling
- Künstlersozialversicherung
(Kriterien sind: einschlägige Ausbildung, künstlerisch tätig, daraus Einkommen: wird geprüft vom KVFonds (eigene Körperschaft, BKA mit Kuratorium, GF: Othmar Stoss in Teilzeit), bei Zweifeln Kommission; siehe Jahresbericht, 2006 ca. 5000 Personen, nur PV Beitrag wird gestützt. Geld kommt aus Kunstförderungsbeitragsgesetz (Kabelbetreiber, Sat-Schüssel).
- Förderprogramme für Kreative

Einige dieser Überlegungen fliessen nun ein in das neue Arbeitsprogramm der creativwirtschaft austria.

[1] http://igkultur.at/igkultur/kulturrisse/1168344588

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