Ivermectin statt Impfung?

Gestern traf ich in Wien einen ehemaligen Studienkollegen, der sich nicht impfen lässt. Netter, vifer Kerl, sportlich, reflektiert. Er meint dass Lanzeitwirkungen der Vakzine noch nicht erforscht sind und sie ohnehin nur ein Jahr wirken. Stimmt, eine Auffrischung ist vermutlich erforderlich, das ist auch bei anderen Impfstoffen so. Und ja, die Impfstoffe sind erst kurz am Markt, aber die Verwendung auch der modernen mRNA Technik ist längst erprobt, etwa bei der Krebstherapie. Warum die Entwicklung und das Testen so schnell ging erklärt zum Beispiel die Chemikerin Mai gut nachvollziehbar in einem Youtube Video.

Jetzt bin ich mal einige Stunden etwas tiefer in die Blase der Impfgegner eingetaucht. Da gibt es zahlreiche Blogs (stefanmatuns, wolf147, willibald662, bodenseestier, ...) und Newsportale (Extremnews, tkp.at ...) die Argumente gegen das Impfen bereit halten und sich weniger Einmischung des Staates in unsere Gesundheit wünschen. Da werden etwa Nanotechnologie und Nanopartikel angeprangert und es wird vielerorts behauptet, dass mRNA das menschliche Genom verändern kann. Für eine erfolgreiche Reverse Transkriptase bräuchte es im Körper bestimmte Enzyme (die Reverse Transkriptase und die Integrase), die normalerweise in menschlichen Zellen nicht vorkommen, sondern nur bei Retroviren. Aber selbst wenn sich ein HIV-Virus mit einer Impf-RNA in der selben Körperzelle trifft, würde der Primer des HIV Virus sicherstellen, dass nur seine Erbinformation weiter gegeben wird (verständlich erklärt zum Beispiel in der Pharmazeutischen Zeitung).

Hartnäckig halten sich die Ergebnisse zahlreicher Studien zur Wirksamkeit des Parasiten-Wirkstoffes Ivermectin. Viele der bisherigen Studien, ob diese das Sars-2 Virus eindämmen können, sind methodisch inkorrekt oder die Ergebnisse sind geschönt oder gar gefälscht und wurden mehrheitlich zurückgezogen (siehe zum Beispiel die Analyse im Guardian oder im Nature Medicine). Im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh wurde eine Box verteilt an Menschen mit Corona Symptomen, darin befand sich Ivermectin, Vitamin C, ein Breitbandantibiotikum und Zinktabletten. Dessen Regierung hat dies wohl getan vor allem um Vertrauen zu gewinnen, in einer Phase mit einer geringen Verfügbarkeit auf Impfstoffe, parallel zu einem sehr harten Lockdown im April 2020 und einem scharfen Contact Tracing. Dass wegen Iveremctin die Fallzahlen runter gingen ist nicht klar nachgewiesen, auch in Peru oder Brasilien gab es stets andere begleitende Massnahmen. Ivermectin könnte die SARS-CoV-2 Infektionskette unterbrechen, weil es dessen Spike Protein  bindet, meinen deren Befürworter. Eine aktuelle Übersichtsstudie im Elsevier Journal New Microbes and New Infections vom September 2021 wiederholt, dass die meisten Studien eine viel zu geringe Sample Grösse aufweisen, empfiehlt jedoch den Einsatz von Ivermectin, auch weil es Mutationsketten vielleicht unterbinden könne und nicht schade, weil es 3,7 MIlliarden mal schon einegsetzt worden sei. Einer der Autoren ist bei Topelia beschäftigt, das Ivermectin vertreibt. Da braucht es auf jeden Fall noch mehr faktenbasierte Forschung mit statistisch signifikanten Test- und Kontrollgruppen, um so einer Empfehlung Glauben schenken zu können.

Ein weiterer Vorschlag auch von Impfgegnern ist, die überschiessenden Entzündungsreaktionen bei einer Infektion schon früher einzudämmen. Im Krankenhaus wird etwa mit Ruxolitinib gearbeitet (siehe Bericht einer Studie vom Oktober 2020). Dies könnte schon früher eingesetzt werden, damit es erst gar nicht zu einer starken Entzündung kommt, die wesentlich zu einem schweren Verlauf beiträgt. Ob dies als Selbstmedikation bei den ersten Symptomen möglich und sinnvoll wäre, um einen schweren Verlauf zu verhindern, habe ich nicht weiter recherchiert.

Für mich steht aufgrund der klaren Faktenlage und der genauen Analyse durch die Zulassungsstellen ausser Frage, dass eine Impfung den besten Schutz gegen das SARS-CoV-2 Virus darstellt. Der Impfschutz ist nicht hunderprozentig und muss mitunter aufgefrischt werden, das ist aber auch etwa bei der Grippeimpfung so. Für jene, die die Impfung aus welchen Gründen auch immer ablehnen, sollte an alternativen Behandlungstherapien weiter geforscht werden. Ob Ivermectin ein probates Mittel ist, ist noch sehr umstritten und erfordert weitere Testserien, die von anderen Massnahmen wie Lockdowns entkoppelt sind, um die Wirksamkeit beurteilen zu können. Da wir mit Corona Viren und deren Mutanten noch lange werden leben müssen, nützen Erkenntnisse  über therapeutische Medikamente auch bei allfälligen Impfdurchbrüchen. Bis dahin nützt impfen oder auffrischen, um die Infekationsketten wirksam zu durchbrechen und weniger schwere Verläufe behandeln zu müssen.

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